MOMENT MAL

Pfarreiengemeinschaft

St. Bonifatius Westrhauderfehn & St. Bernhard Flachsmeer

Wegsehen

Georg ist Busfahrer in Dresden.

Bei schlechtem Wetter ist sein Bus voll mit Fahrgästen. Als er eine Haltestelle anfährt, sieht er da zwei Mütter stehen mit ihren Kinderwagen.

Jetzt müssen alle etwas zusammenrücken, denn der Bus ist ziemlich voll, aber bei etwas gutem Willen ist es kein Problem, die beiden M!ütter mit ihren Kinderwagen noch mitzunehmen, denkt Georg noch. Und was passiert? - Nichts!

Im Bus schauen alle irgendwohin, nur nicht auf das Problem. Alle scheinen blind zu sein für die Situation. Fotolia 35930779 XS Kzenon

Nicht mit mir, denkt Georg. Er nimmt das Mikrofon, räuspert sich und sagt freundlich und klar: "Wenn die beiden Mütter mit ihren Kinderwagen nicht in den Bus einsteigen können, bleibe ich hier stehen, bis Platz ist; und wenn das bis Ostern dauert."

Was passiert? Die Fahrgäste murmeln, meckern, schauen sich seltsam verlegen an - und machen schließlich Platz.

Geht doch, denkt Georg.

Wo 30 Menschen zum Fenster hinausschauen und denken "Was gehen mich die Kinderwagen an?" - da nimmt einer das Heft in die Hand und sagt:

"Mit mir nicht"!

Es müsste mehr von ihnen geben.

Papst Franziskus spricht in diesem Zusammenhang von einer Kultur des Wegschauens, von einer Kultur der Gleichgültigkeit.

Hier müssten vielen Blinden die Augen geöffnet werden. Jeden Tag kann es Momente geben, da macht man sich selber reich, wenn man anständig bleibt.

(Text: Pater Wilhelm Ruhe, Bardeler Fastenmeditationen 2018/Foto: Fotolia/Kzenon)

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